Von Alaró über Orient zum Castell d ’Alaró

Auf einsamen Wegen geht es ins malerische Bergdorf Orient. Von dort führt ein alter Pilgerpfad hinauf zum Gipfel des Puig d'Alaró, der weithin sichtbar die Landschaft beherrscht – eine der klassischen Wanderrouten Mallorcas.

Die Wanderung in Kürze
Anspruch: ++
Gehzeit 6 Std.
An-/Abstieg:  700 m
Länge:
Charakter: Mittelschwere, lange Wanderung auf Feld und Karrenwegen sowie auf schmalen, steilen Pfaden, welche Trittsicherheit voraussetzen.
Ausrüstung:
Wanderkarte: Topographische Karte 1:50 000, Blatt Sóller
Einkehr- Möglichkeiten: Mehrere Bar Restaurants in Orient; Bar auf dem Puig d'Alaró; Bar Restaurant Es Verger in der gleichnamigen Finca
Anfahrt:

Mit dem Pkw:
Von Palma auf der PM27Richtung Inca, Ausfahrt Consell. Von Consell auf der Straße 210 nach Alaró. Dort parkt man in einer der Nebenstraßen der Avinguda Constitució, einer Platanenallee, die ins Zentrum führt. Auf dieser und ihrer Verlängerung, dem Carrer d'Alexandre Rosselló, zu Fuß weiter bergauf bis zu einer T-förmigen Einmündung, wo man vor dem Restaurant Ca ’n Tiu links in den Carrer Petit einbiegt, der zur Plaça Ajuntament vor der Kirche führt.


Mit dem Bus:
Von Palma (3 x tägl. , an Sonn und Feiertagen 2 x tägl.)über Santa Maria nach Alaró; Haltestelle in der Avinguda Constitució, s. o.

Hinweis:

Unterkunft: Einsiedelei beim Castell d'Alaró (preisgünstig, aber ohne großen Komfort); Anmeldung über das Bürgermeisteramt (Ajuntament) in Alaró, tel.: 971 51 04 80

Höhenprofil:
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Karte: Karte (bitte klicken)

 

Zur Schicksalsfestung Mallorcas auf altem Pilgerpfad

Ausgangspunkt ist der Kirchplatz von Alaró (Plaça Ajuntament). Die Kirchenfassade genau im Rücken, geht es vom oberen Platzende aus bergauf bis zur Bar Reynes, vor der wir links durch den Carrer d ’Enmig gehen. Am Ende dieser Straße treffen wir auf den Carrer de Can Coxeti, auf dem wir uns rechts halten. Bald verlassen wir den Ortskern. Links von uns dehnen sich in einer feuchten Talniederung Orangenplantagen aus. Zu beiden Seiten abzweigende Straßen beachten wir nicht, es geht stets geradeaus. Nach einigen Windungen durch eine Villensiedlung stehen wir auf einem gepflasterten, parkähnlich gestalteten Platz. An dessen oberer, spitz zulaufender Ecke geht es weiter bergauf. 5 Min. später endet die Asphaltdecke. Hier gehen wir nicht links durch ein meist offenstehendes Gatter, sondern halten uns weiter geradeaus auf dem steinigen Karrenweg, der sich am Bachbett des Torrent de s´Éstret orientiert. Wenig später zeigt ein hölzerner Wegweiser mit der Aufschrift ›Orient ‹an, daß wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Die letzten Sommervillen haben wir hinter uns gelassen, die Route windet sich durch Ölbaum Terrassenkulturen.


Nach 0. 40 Std. zweigt rechts ein sichtlich selten genutzter Karrenweg ab, der durch eine Steinpyramide markiert ist. Doch wir gehen geradeaus, queren kurz darauf ein schmales Bachbett, passieren ein Sommerhaus und wandern auf dem nun betonierten Fahrweg durch ein schmales, von Felswänden eingerahmtes Seitental aufwärts. Schon bald weitet sich der Talgrund wieder und wird als Olivenplantage genutzt. Die Betondecke weicht einer alten Steinpflasterung, die stellenweise noch recht gut erhalten ist. Hier und da finden wir gelbe Punkte oder Pfeile, die uns das gute Gefühl vermitteln, nicht in die Irre zu laufen. Doch Zweifel erweckende Abzweigungen gibt es jetzt ohnehin auf einer längeren Strecke nicht.

In einer engen Rechtskurve (1. 10Std.) kann man erstmals einen weiten Blick in die dem Gebirge vorgelagerte Ebene hinab genießen. Hier nicht links abzweigen: Die von Betonpfeilern flankierte Einfahrt führt zur Finca Cana Magdalena!
Mit unverminderter Steigung geht es weiter bergan, bis ca. 70 m hinter der Kurve deutliche gelbe Pfeile, rote Punkte und Steinpyramiden einen links abzweigenden Pfad markieren, den wir nun einschlagen. Durch eine von Gestrüpp überwucherte Steingartenlandschaft geht es steil aufwärts. Dank der durchgängigen Markierungen ist der Weg nicht zu verfehlen. Zwischen eng beieinanderstehenden Felsen steigt man eine schmale, geländerlose Steintreppe empor (Vorsicht bei Nässe, Rutschgefahr!) und kommt dann in flacheres Gelände (1. 25 Std.).

Ca. 5 Min. später queren wir eine ehemalige Köhlerstätte, eine kreisrunde, von Bäumen und groben Steinen befreite Fläche inmitten des hier recht dichten, niedrigen Steineichenwaldes. Hinter der nächsten Wegbiegung treffen wir auf ein weiteres, gemauertes Fundament eines Kohlenmeilers und die Reste der dazugehörigen Köhlerhütte. Einen wenig später auf einer Lichtung nach rechts abzweigenden Pfad beachten wir nicht. Ein gelber Punkt weist uns geradeaus den Weg. Nach 1. 40 Std. tritt von links ein weiterer Pfad hinzu. Wir befinden uns nun am Pas de s´Estelot. Wenige Meter weiter können wir nach rechts tief hinab in das Tal von Orient blicken.

Der Weg wird jetzt deutlich breiter, und es geht bergab. Wir passieren einen Mauerdurchlaß und laufen dann in Serpentinen durch Steineichenwald recht steil abwärts. In einer Wegbiegung erblicken wir erstmals durch Baumwipfel hindurch das malerische Bergdorf Orient, unser erstes Etappenziel. Bald darauf erreichen wir einen weiteren ehemaligen Kohlenmeiler. Ein roter Pfeil und der Schriftzug ›St. Maria‹ weisen geradeaus. Wir jedoch verlassen jetzt den Karrenweg und gehen rechts durch ein Gatter, das wir hinter uns wieder verschließen.!! Auf einem Feldweg laufen wir durch Plantagenland bergab. Der Ort Orient ist nun schon deutlich nähergerückt.


Bald stehen wir oberhalb einer Straße, zu der wir parallel noch ein Stück weitergehen, bevor wir rechts zu ihr hinuntersteigen können. Dies ist zwar etwas unbequem, aber das Tor, zu dem der Feldweg führt, ist oft verschlossen. Nachdem wir ca. 300 m auf der Straße gelaufen sind, stehen wir am Ortseingang von Orient (2. 10Std.). Dort finden wir an der Hauptstraße zwei nette Gartenlokale. Man kann aber auch im Zentrum links einen mit ›Iglesia‹ beschilderten Treppenweg einschlagen, durch die malerischen Gassen schlendern und der – allerdings meist verschlossenen – Dorfkirche einen Besuch abstatten.

Nach der Besichtigung von Orient wenden wir uns auf der Landstraße wieder in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Wir gehen jedoch nicht durch die Obstplantage zurück, sondern bleiben auf der Straße und folgen dieser über das etwa 1km von Orient entfernte Luxushotel L ’Hermitage hinaus, das in einem herrschaftlichen Gutshaus untergebracht ist, bis zu dem ca. 200 m weiter rechter Hand abzweigenden, mit›Castell ‹beschilderten Fußweg zur Burg von Alaró. Neben einem Viehgatter erlaubt uns dort ein Durchlaß für Fußgänger das Passieren (2. 35Std.). Wir laufen durch eine Olivenplantage, die auch als Schafweide dient. An einer Gabelung halten wir uns wenige Minuten später links Richtung Castell. Kurz darauf passieren wir ein weiteres Gatter.

Der anfänglich recht breite Weg verengt sich nun zum schmalen Pfad, der sich als deutlich erkennbare Spur fast hangparallel zwischen den Ölbäumen entlang zieht. Erst ganz allmählich beginnt er an Höhe zu gewinnen. Wir queren einen steil aufwärts führenden Weg (2. 45Std.)und folgen einem roten Punkt geradeaus. Der weiterhin mit roten und auch gelben Punkten markierte Pfad verläßt bald die Plantage und führt steil aufwärts in ein dicht mit Steineichen bewachsenes Seitental hinein. Wir steigen in engen Serpentinen einen steilen Hang hinauf, bis wir nach 3. 30 Std. auf einen breiteren Weg treffen. Diesen gehen wir rechts hinauf und kommen kurz darauf zu einem Waldparkplatz , wo sich am Wochenende mallorquinische Familien zum Picknick einfinden.

Am oberen Rand des Platzes beginnt linker Hand ein mit Mitteln des LEADER Programms der Europäischen Union restaurierter Pflasterweg, dem wir nun folgen. Bald blicken wir rechts hinunter nach Alaró und auf die dahinterliegende Ebene Es Pla. An einer Gabelung (3. 45 Std.)weist ein Pfeil auf einer Holztafel rechts Richtung Alaró. Hier werden wir später absteigen. Doch zunächst halten wir uns links Richtung Castell. Die verfallenen Burganlagen sind voraus schon in Sicht.

Schließlich durchschreiten wir das Eingangstor zu der ausgedehnten Verteidigungsanlage und erreichen über eine steile Steintreppe kurz darauf den ersten Burgturm des Castell de Alaró . Dahinter laufen wir an der ehemaligen Zisterne vorbei geradeaus weiter, auf dem mit Steineichen bewachsenen Bergrücken entlang. Schon bald bietet sich linker Hand von einem durch eine Mauer geschützten Aussichtspunkt ein schöner Blick zum Nachbarberg Soucadena (816 m). Am oberen Rand der Mauer finden wir unseren Weg wieder, der hier rechts aufwärts weiterführt.

Nach 4 Std. stehen wir schließlich an der ehemaligen Klosteranlage, die man im 17. Jh. in die damals schon verfallene Burg hineingebaut hatte, und blicken von der davor liegenden Aussichtsterrasse nach Alaró und weiter in südlicher Richtung bis Palma. Rechts unter uns befindet sich die Finca Es Verger, zu der wir auf dem Rückweg einen Abstecher machen können. Man kann der schlichten Kapelle Nostra Senyora del Refugi einen Besuch abstatten, deren einfacher Holzaltar zu beiden Seiten der Madonnenfigur mit den in Kriegerrüstung dargestellten Gestalten der Märtyrer Cabrit und Bassa bunt bemalt ist. Die kleine Bar neben der Kapelle hält eine erstaunliche Vielfalt von Speisen bereit.

Anschließend geht es zurück zu der unterhalb des Burgtores gelegenen Abzweigung mit dem hölzernen Wegweiser. Hier gehen wir jetzt geradeaus weiter Richtung Alaró. Auch dieser alte Pflasterweg wurde restauriert und führt in langen Stufen zügig abwärts. Zunächst begleitet uns zur Linken die steile Felswand des Alaró Gipfels. Dann, hinter einer Biegung, liegt die Finca Es Verger plötzlich schon recht nah vor uns, nur durch einen Taleinschnitt getrennt. Nun ist es nicht mehr weit bis zu einer Gabelung (4. 40 Std.), wo man sich entscheiden muß, ob man links direkt nach Alaró absteigen oder rechts den Umweg zum Restaurant in der Finca es Verger machen möchte. Entscheidet man sich für ersteres, geht es durch einen Olivenhain in Kurven weiter bergab. Nach weiteren 5 Min. erreichen wir den Fahrweg, auf dem man hinabkommt, wenn man den Abstecher zur Finca gemacht hat. Auf diesem wenden wir uns abwärts.


Auf dem Weg zum Castell d ’Alaro

In engen Serpentinen windet sich die Piste bergab. Nach 5 Std. Gehzeit gilt es, vor einer Linkskurve, an der sich ein mächtiger Felsblock erhebt, auf eine Abzweigung zu achten. Wir biegen rechts in einen Fußweg ein, der durch einen roten Pfeil gekennzeichnet ist. Hier setzt sich der gepflasterte Pilgerweg fort, der es erlaubt, eine Serpentine abzuschneiden, bevor wir uns wieder auf der nun asphaltierten Zufahrtsstraße zur Finca befinden. Schon nach etwa50 m, im Scheitelpunkt einer Linkskurve , finden wir rechts die Fortsetzung des Fußwegs wieder. Diesmal können wir einen wesentlich längeren Straßenabschnitt abkürzen. Bei einem weiteren, riesigen Felsblockstehen wir dann wieder auf dem Fahrweg. Zwar zweigt etwa 30 m unterhalb wiederum ein Fußweg nach links ab, doch gehen wir nun besser auf der Straße weiter, bis wir hinter einer engen S-Kurve auf der linken Seite eine rote Markierung sehen. Den an dieser Stelle abzweigenden Pfad schlagen wir ein. Auch er trifft bald wieder auf die Straße, der man jetzt, falls man sich nicht eine Kletterpartie durch die Macchie zumuten möchte, weiter abwärts folgt. Dann quert der Fahrweg die Talsohle (5. 20 Std.).


Wenig später passieren wir das Gehöft Son Penyaflor, das von einem prächtigen Park hinter hohen Mauern umgeben ist. Wir kommen an weiteren Fincas vorbei, die sich hinter hohen Mauern verbergen, und gelangen nach 5. 40 Std. an eine Gabelung, wo wir links gehen. 5 Min. später mündet unser Fahrweg in eine Landstraße, auf der es rechts Richtung Alaró geht.
Bald darauf erreichen wir den Ortseingang und halten uns hier weiter geradeaus. Nun sehen wir vor uns schon die Kirche von Alaró, die wir nach 6 Std. Gehzeit wieder er reichen, sofern wir nicht zuvor links in den Carrer d ’Alexandre Rosselló einbiegen, um zu unserem Auto bzw. zur Bushaltestelle zu gelangen.

Castell d ’Alaró

Die heroische Verteidigung des Castell d ’Alaró im 13. Jh. ist als herausragendes Ereignis in die mallorquinischen Geschichtsbücher eingegangen.
Nach dem Tod König Jaumes I. war1276 das Königreich Aragón aufgeteilt worden. Dem jüngeren Sohn Jaume II. fielen die Balearen, das Roussillon und Montpellier zu. Alfons I. als Erstgeborenem verblieben lediglich Katalonien und die eigentliche Provinz Aragón, und er wollte das –immerhin mehr als unübliche– Testament des Vaters nicht widerspruchslos hinnehmen. So zwang er seinen Bruder unter seine Lehnsherrschaft, doch dieser galt als unzuverlässiger Vasall und verbündete sich bald heimlich mit dem König von Frankreich. So führte Alfons II. von Aragón 1285 eine Strafexpedition nach Mallorca durch und konnte Palma binnen weniger Tage erobern.

Außerhalb der Hauptstadt gab es allerdings noch jahrelang erbitterten Widerstand, so auch auf dem Castell d ’Alaró. Aragonesische Unterhändler, die zur Burg geschickt wurden, um die Besatzung zur Aufgabe aufzufordern, wurden verhöhnt. Man trug ihnen auf, dem König auszurichten, Anfós äße man auf Mallorca mit Soße. Das Wortspiel – Anfós klingt Alfons recht ähnlich und bedeutet Zackenbarsch – erboste den König außerordentlich, und  erschwor bittere Rache.

Nach langer Belagerung gelang es ihm schließlich, das Kastell zu erobern. Wie es die Legende wissen will, ließ Alfons II. die beiden Anführer des Widerstandes, Guillem Cabrit und Guillem Bassa, in Anspielung auf deren Namen bei lebendigem Leibe auf zwei Spießen rösten. Cabrit bedeutet nämlich Ziegenbock, und Bassa klingt ähnlich wie Brasa (Holzkohlenglut). Als der Papst in Rom von der grausamen Rache erfuhr, soll er König Alfons exkommuniziert haben. Die sterblichen Überreste von Cabrit und Bassa wurden später in die Kathedrale von Palma überführt. Doch je eine Rippe der beiden Märtyrer verblieb auf dem Puig d ’Alaró. Die Reliquien werden in einem Nebenraum der Kapelle Nostra Senyora del Refugi aufbewahrt.

Kommentare (1)

  1. Walter Buss am 25.10.2015
    Der Wanderweg von Alaro zum Castel Alaro ist mein absoluter Lieblingswanderweg. Er ist besonders im Frühjahr Winter und im Herbst zu empfehlen. Der Aufstieg dauert ca 2.5 Stunden. Da es sich um eine Südlage handelt ist er auch gut im Winter zu besteigen. Wenn man am Ziel ist, hat man sowohl eine fantastische Aussicht auf die Bucht von Palma, als auch auf die andere Seite in Richtung Orient. Man kann den gleichen Weg zurück gehen, was man natürlich oft macht, weil in Alaro oder in kleinen Nebenstr. der PKW steht, aber wenn man die Möglichkeit und die Zeit hat kann man auch nach Orient weiterlaufen. Oben auf dem Alaro unbedingt das Erimitenkloster und die kleine Einsiedlergaststätte besuchen. Selbstgemachte Mandeltorte sehr zu empfehlen. Wird alles mit Ziegen raufgebracht. Achtung. Einmal ist mir unten am Fuss des Berges der Kofferraum aufgebrochen worden. Beide Koffer waren weg. ( Selbst Schuld) Keine Handtaschen im Auto lassen. Trotzdem viel Spass. Walter Buss

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