Puig de Randa auf Mallorca erklimmen

Wallfahrt zum schönen Klosterberg Mallorcas

Durch eine abwechslungsreiche Landschaft geht es sanft aufwärts zum ersten, gewagt am Fuße einer überhängenden Felswand errichteten Santuari. Gleich darüber erhebt sich ein heute noch bewohntes Kloster, und auf dem Gipfel des Puig de Randa thront festungsartig das berühmte Santuari Nostra Senyora de Cura.

Die Wanderung in Kürze
Anspruch: +
Gehzeit 3,3 Std.
An-/Abstieg:  
Länge: 350 m
Charakter: Leichte Wanderung auf asphaltierten Feldwegen, auf kurzen Strecken steiniger Pfad
Ausrüstung:
Wanderkarte:

Topographische Karte 1:50 000, Blatt Porreras (Porreres)

Einkehr- Möglichkeiten: Restaurant und Bar im Santuari de Cura
Anfahrt:

Mit dem PKW:
Von Palma auf der 715 nach Algaida. Dort der 501 Richtung Llucmajor folgen. Bei Km 3 zweigt ein asphaltierter Feldweg nach Osten ab; in der Nähe Parkmöglichkeiten.


Mit dem Bus:
Von Palma nach Llucmajor. Dann zu Fuß in nördlicher Richtung auf der Landstraße Richtung Algaida. Ca. 200 m hinter Km 2rechts abzweigen (beschildert mit ›Camí de s ’Escalona Poligono‹). Nach einem Linksknick stößt dieser Fahrweg auf einen querverlaufenden, asphaltierten Feldweg, diesem nach rechts folgen (ca. 45 Min. ab Llucmajor).

Hinweis:

 

Höhenprofil:
(bitte auf das Bild klicken für Großansicht)
Karte: Karte (bitte klicken)

 

Wallfahrt zum schönen Klosterberg Mallorcas

Durch Obst und Mandelplantagenlaufen wir auf dem Feldweg geradeaus, bis er an einer T-förmigen Einmündung auf einen breiteren Fahrweg stößt (15 Min. ). In diesen biegen wir links ein. Es geht nun bergan. Bald windet sich der Fahrweg in Serpentinen hangaufwärts durch lichten Kiefernwald. Es gibt die Möglichkeit, die Schlingen auf einem steilen Pfad abzukürzen, der jeweils die Scheitelpunkte der Rechtskurven der Serpentinen miteinander verbindet. Nach 30 Min. passieren wir ein Ferienhaus, das sich links des Weges hinter einem hohen Eisentor verbirgt. Hier gehen wir auf der Fahrstraße weiter und treffen in der nächsten Schlinge einer Linkskurve wiederum auf den steilen Pfad, der nun rechts aufwärts führt. Vorher lohnt sich ein Abstecher nach links zu einem der alten Steinkreuze, von denen es auf Mallorca fast 200 gibt.

Nachdem wir die Schlinge mit dem Steinkreuz abgekürzt haben, treffen wir wieder auf den Fahrweg, dem wir weiter nach rechts folgen. Es geht nun längere Zeit ohne weitere Kurven bergan. Der Kiefernwald wird dichter. Reste von Stützmauern zeugen davon, daß hier einst auf kleinen Terrassen Ackerbau betrieben wurde. Ein Waldweg zweigt nach rechts unten ab (45 Min. ), doch weist ein rotes Schild darauf hin, daß er auf Privatgelände führt. Wir setzen unseren Weg auf der schmalen Straßefort. Einen weiteren Fußweg, der wenig später nach rechts abzweigt, beachten wir ebenfalls nicht.

Zur Linken türmen sich nun steile, ockerfarbene Felswände auf. Dann kommt rechts voraus unter einerüberhängenden Felswand das Santuari de Nostra Senyora de Gràcia in Sicht. Auf dem Dach der Felswand schwebt weit darüber in scheinbarschwindelerregender Höhe die Klosterkirche von Sant Honorat.

Wir passieren ein weiteres Wegekreuz und treffen etwa 200 m weiter auf die Zufahrtsstraße zum Santuari. Geradeaus sind es noch etwa 200m bis zum Gelände des Santuari de Nostra Senyora de Grácia, vor dem sich wiederum ein Steinkreuz erhebt(1 Std. ). Direkt am Fels kleben, Vogelnestern gleich, die ehemaligen Unterkünfte der Mönche, die sich mit ihrer Natursteinbauweise kaum von der Umgebung abheben. Der Weg zur Klosterkirche ist mit Baum Aloë bepflanzt, die im Dezember ihre scharlachroten, kerzenförmigen Blütenstände treibt.

In dem kleinen, idyllischen Garten vor der Einsiedelei kann man sich auf eine Bank setzen und in Ruhe die wundervolle Aussicht über die Ebene im Süden Mallorcas genießen. Man sollte es aber auch nicht versäumen, einen Blick ins Innere der Klosterkirche zuwerfen. In dem beinahe fensterlosen Kirchenschiff dauert es eine Weile, bis die Augen sich an das düstere Licht gewöhnt haben. Beachtung verdient vor allem die Taufkapellegleich links neben dem Eingang, die wunderschön mit bunten Fliesenbildern verziert ist, auf denen biblische Szenen dargestellt sind.

Nach der Besichtigung verlassen wir das Klostergelände auf dem Weg, auf dem wir es betreten haben. Nach etwa 200 m gehen wir nun nicht auf dem unteren Weg zurück, den wir heraufgekommen sind, sondern halten uns rechts und laufen am Fuß der Felswand zur Hauptstraße, die den Ort Randa mit dem gleichnamigen Berggipfel verbindet. Auf dieser wenden wir uns nach rechts, verlassen sie aber schon in der nächsten Kurve wieder, in deren Scheitelpunkt rechts ein schmaler, steiniger Pfad abzweigt. Auf diesem gewinnen wir rasch an Höhe. Er verläuft zunächst geradeaus, wobei wir einige undeutliche, nach rechts abzweigende Spuren nicht beachten. Dann knickt der Pfad scharf rechts ab und führt an einer Steinmauer entlang weiter aufwärts. Hier ist deutlich zu erkennen, daß es sich um einen ehemaligen Verbindungsweg handelt, der eine Kopfsteinpflasterdecke besaß. Diese ist noch teilweise erhalten. Zur Orientierung kann in diesem Bereich eine Stromleitung dienen. Wir berühren fast wieder die Straße, die links von uns in einigen Metern Entfernung verläuft. Wir bleiben jedoch weiter hinauf dem steinigen Weg an der Mauer. Hier gibt es eine artenreiche Flora zu entdecken. In den Wintermonaten blühen Lavendel und Malven, später breiten die Zistrosen ihren Blütenteppich aus.

Nach 1. 15 Std. stehen wir auf dem Parkplatz vor dem Santuari de Sant Honorat, einer ausgedehnten Anlage, die noch heute von einer Klostergemeinschaft bewirtschaftet wird und der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. ›Lloc de Pregària ‹(Ort des Gebets) steht auf einem bunten Fliesenbild an der Frontfassade zulesen, auf dem ein Geistlicher mit Bischofsmütze und Krummstab abgebildet ist. Diesen finden wir auch in Terrakotta geformt über dem Eingang zu der Klosterkirche wieder. Man betritt zunächst einen blumengeschmückten Innenhof, wo man sich an einem Wasserhahn erfrischen und durch eine Eisenpforte einen Blick in den verschlossenen Klostergarten werfen kann. Durch eine Glastür darf man in die schlichte Klosterkirche schauen, die nur zu Messen geöffnet wird.

Auf dem asphaltierten Zufahrtsweg geht es anschließend etwas bergab zur Hauptstraße, auf der wir uns nach rechts, also bergauf, wenden. Sie führt in ein Tal hinein, wo sie eine enge Rechskurve beschreibt(1. 30 Std. ). Im Scheitelpunkt dieser Kurve zweigt steil aufwärts einschmaler Pfad ab, den wir nun durch niedrige Garrigue emporsteigen. Wer einen bequemeren Weg vorzieht, läuft über die Kurve hinaus noch etwa 200 m auf der Straße weiter, bis im spitzen Winkel links der alte Pilgerweg, der an dieser Stelle schon stark zugewachsen ist, abzweigt. Die Stelle ist an einer kleinen Kieferngruppe kenntlich. Auf diesem Wegabschnitt laßt sich im Spätwinter Knabenkraut entdecken. So oder so treffen wir, nun schon fast auf der Hochfläche des Tafelberges, wieder auf die Straße, auf der wir etwa 40 m bzw. 150 m nach links weitergehen.

Voraus ist jetzt die Sendeanlage auf dem Gipfel des Randa zu erkennen. Sobald wir uns genau in einer Flucht mit der Steinmauer befinden, die sich am gegenüberliegenden Hang des Tales deutlich sichtbar hinaufzieht, müssen wir rechts auf die Fortsetzung unseres Pfades achten. Sie ist von der Straße aus nur schwer auszumachen. Es geht einige undeutliche Steinstufen aufwärts zudem recht zugewachsenen Weg, der etwa 1 m oberhalb der Straße sanft bergauf führt. Er hält sich zunächst fast parallel zur Straße und schneidet später eine langgezogene Spitzkehre ab. (Haben wir diese Abzweigung verpaßt, können wir die Straße ein der nächsten Kurve auf einem schmalen Pfad verlassen, der eine Spitzkehre abschneidet. Er führt uns, nachdem wir ca. 30 m angestiegen sind, auf den alten, befestigten Pflasterweg. Auf diesem wenden wir uns in diesem Fall nach links.)

Der Pilgerweg quert die Straße abermals und führt geradeaus weiter auf die Sendemasten zu. Kurz vor der abgesperrten Sendeanlage erreichen wir die Straße und gehen auf dieser nach links weiter. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum dritten Kloster, dessen mächtige Eingangspforte wir bald vor uns sehen. Ü er die windgepeitschte Hochfläche wandern wir zum Santuari de Nostra Senyora de Cura hinüber (1. 45 Std. ).


Santuari de Nostra Senyora de Gràcia

Wir betreten zunächst den weitläufigen Innenhof, dessen Untergrund als Zisterne genutzt wird. Rechts geht es zu dem kleinen, aberidyllischen, arkadengesäumten Klostergarten. Nahebei befindet sich in den ehemaligen Räumen der Lateinschule ein kleines Museum. Es lohnt auch, einen Blick in die schlichte Klosterkirche zu werfen, in der ganzjährig eine Krippe zu besichtigen ist. Hoch über dem Altar thront die kleine weiße Alabasterstatue der Senyora de Cura. Der Altarraum wird von den Statuen Ramon Llulls (rechts) und des hl. Franz von Assisi (links) flankiert. Rechts neben der Kirche wurde für die Pilger ein Unterstand errichtet, der Schutz vor den häufig recht kräftig wehenden Nordwinden bietet. Auf bunten Fliesenbildern sind dort die sieben Mysterien der Franziskanerkrone dargestellt. Im hinteren Teil der Klosteranlage befindet sich ein Restaurant mit Bar, wo man sich erfrischen kann, bevor man die Rundumsichtausgiebig genießt.

Zurück geht es auf dem gleichen Weg, und wir erreichen unseren Ausgangspunkt, den Feldweg, nach 3. 30Std. reiner Gehzeit.

Puig de Randa

Eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten Mallorcas ist der Puig de Randa. Schon bald nach der Reconquista fühlten sich Eremiten von dem markanten Berg angezogen. Aus ihren Einsiedeleien gingen drei Klöster hervor, die bis heute den Charakter des Puig de Randa prägen. Der berühmte mallorquinische Theologe, Philosoph und Historiker Ramon Llull (Raimundus Llullus, 1235 –15), dessen Werke auf die mittelalterlichen Geisteswissenschaften großen Einfluß nahmen, soll als erster Eremit auf dem Gipfel des Randa gelebt haben.
Das untere der drei heutigen Klöster, das Santuari de Nostra Senyora de Grácia, schmiegt sich wie ein Schwalbennest an eine überhängende Felswand. Seine Gründung durch Franziskanermönche läßt sich bis zum Jahr 1446 zurückverfolgen. Seit 1523 findet am Tag der hl. Anna(26. Juli), deren Bildnis in der Klosterkirche aufbewahrt wird, eine Prozession zum Santuari de Gràcia statt. Damit erinnert die Bevölkerung von Llucmajor an eine Pestepidemie, die auf wundersame Weiseein Ende fand.

Direkt oberhalb des letztgenannten Klosters liegt das Santuari de Sant Honorat. Seine Gründung geht auf den Edelmann Arnau des Brull zurück, der, nachdem er schon beinahe 30 Jahre als Einsiedler auf dem Puig de Randa gelebt hatte, den Bischof um die Erlaubnis zur Gründung einer Klostergemeinschaft ersuchte. Im Jahr 1394 stellten ihm die Eigentümer des Puig de Randa zu diesem Zweck ein Grundstück zur Verfügung. 1763 übernahm die Einsiedlergemeinschaft Sant Pau i Sant Antoni das Kloster und blieb dort bis zum Jahre 1915, als schließlich die neugegründete Missionsgesellschaft vom Herzen Jesu dort einzog. Das Kloster ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Als größtes der drei Klöster nimmt das festungsartige Santuari de Nostra Senyora de Cura den Gipfel des Berges ein. Seine Gründung wird auf Ramon Llull zurückgeführt. Gesichert ist, daß sich Mitte des 15. Jh. Anhänger Ramon Llulls, die sogenannten Llullisten, auf dem Puig de Randa niederließen. Sie errichteten eine Bildungsstätte, die später in eine Grammatikschule überging, wo Latein, Griechisch und Rhetorik gelehrt wurden. Bis zu 150 Schüler sollen zeitweise hier gelebt und studiert haben. Die Schule bestand bis 1826. Die verfallenen Anlagen wurden 1913vom Franziskanerorden übernommen, der sich verpflichtete, das Wissen um die Leistung Ramon Llulls zu verbreiten. Zwei Mönche leben seither ständig in dem Kloster, das sich wieder zu einem der bedeutendsten geistlichen und kulturellen Zentren Mallorcas entwickelte.

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