Von Sóller durch die Schlucht Es Barranc zum Mirador de l’Ofre

Die abwechslungsreiche Wanderung führt durch Orangen und Zitronenplantagen in den malerischen Ort Biniaraix, dann auf einem alten Pilgerpfad durch die Schlucht Es Barranc und weiter zum 957 m hohen Mirador de l ’Ofre.

Die Wanderung in Kürze
Anspruch: +++
Gehzeit 6 Std.
An-/Abstieg: 900 m
Länge:
Charakter: Anspruchsvolle Wanderung; An- und Abstieg auf steilem, bei Nässe rutschigem Pflasterweg; im oberen Bereich schmaler, steiniger Bergpfad; kürzere Passagen auf wenig befahrenen Nebenstraßen
Ausrüstung: Evtl. Teleskopstöcke
Wanderkarte: Topographische Karte 1:25 000, Blatt Sóller
Einkehr- Möglichkeiten: Zahlreiche Restaurantsund Cafés in Sóller; in Biniaraix eine kleine Bar in der Nähe der Kirche.
Anfahrt:

Mit dem Pkw:
Von Palma auf der 711 nach Sóller. Man kann auch weiter nach Biniaraix fahren(in Sóller der Beschilderung folgen)und spart ca. 1 Std. Gehzeit; Parkmöglichkeiten an der Straße nach Fornalutx in der Nähe des Waschhauses


Mit dem Bus:
Linienbus 9 x tägl. (Sa 7 x, So 3 x)von Palma nach Sóller; Eisenbahn 5 x tägl. von Palma nach Sóller oder Straßenbahn von Port de Sóller nach Sóller.

Hinweis:

 

Höhenprofil:
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Karte

 

 

Auf alten Pilgerpfaden malerische Orte Mallorcas erkunden

Ausgangspunkt ist die Plaça Constitució im Zentrum von Sóller . Dort erhebt sich die das Stadtbild beherrschende Pfarrkirche Sant Bartomeu. Der Platz belebt sich während der Vormittagsstunden, wenn zahlreiche Ausflügler mit der Eisenbahn aus Palma oder der originellen Straßenbahn aus Port de Sóller eintreffen. In einem der Straßencafés kann man sich vor der Wanderung noch an Ensaimadas (mallorquinischen Hefeschnecken)und einem Café con leche (Milchkaffee) stärken. Wer mag, probiert einen Caragillo (Espressomit einem Schuß Cognac). Hier gibt es auch Gelegenheit, sich mit Proviant für die Wanderung zu versorgen. Eine kleine Bäckerei an der Plaça ist bekannt für ihre Coca (die mallorquinische Variante der Pizza), die kalt gegessen wird. Frisches Obst bekommt man in der nahegelegenen Markthalle.

Wir verlassen die Plaça Constitució über den Carrer de sa Lluna und folgen dieser schmalen St raße stets geradeaus. Nach etwa 15 Min. erreichen wir eine Abzweigung, an der sich ein Steinkreuz erhebt. Dort ist links ›Fornalutx ‹ ausgeschildert. Wir gehen jedoch geradeaus weiter und aus dem Ort hinaus. Wenig späterwechselt die S raße über das Bachbett des Torrent de Barranc auf das nördliche Ufer. Rechts und links dehnen sich nun Plantagen mit Apfelsinen und Zitronenbäumen aus. Dazwischen liegen zahlreiche Einzelgehöfte, die von kleinen Parks mit Zypressen, Palmen und hohen, schlanken Araukarien umgeben sind. Im Hintergrund überragen die beiden Gipfel L ’Ofre und Sementer Gran das Bergmassiv der Serra d ’Alfàbia. Nun erreichen wir das idyllische Bergdorf Biniaraix (30 Min. ):sein Name ist arabischen Ursprungs (be ni a ’rag ) und bedeutet soviel wie ›Söhne des Hinkenden‹.

Über eine scharfe, nach links gerichtete S-Kurve gelangen wir ins Zentrum zur Plaça Concepció, die von einer mächtigen Platane überschattet wird. Auf der linken Seite führt eine schmale Treppe zu der kleinen Pfarrkirche LaInmaculata Concepció hinauf. Sie wurde 1634 erbaut und birgt einen sehenswerten Marienaltar.

Nun wenden wir uns auf dem Carrer Sant Josep weiter durch das Dorf bis zu seinem östlichen Ausgang. Dort zweigt links eine schmale Straße nach Fornalutx ab. Wir jedoch gehen nach rechts zu einem kleinen Platz, an dem ein Waschhaus steht. Heute wird es nur noch selten genutzt. Rechts davon weist ein Schild mit der Aufschrift ›A l ’Ofre i a Lluc a Peu‹ die Richtung. Hier beginnt der alte Pilgerpfad, auf dem wir nun längere Zeit bleiben werden. Einst verband er Sóller mit dem berühmten Kloster Lluc im Norden der Insel. Anlaß für Wallfahrten war vor allem die Semana Santa , die Karwoche. Fast zwei Tage brauchten die Pilger für die anstrengende S recke, um das einsame Gebirge zwischen Sóller und Lluc zu überwinden. Heute ist es nicht mehr möglich, den insgesamt etwa 25 km langen Wallfahrtsweg in seiner ganzen Länge zuwandern, weil er am Fuß des Puig Major durch militärisches Sperrgebiet führt.


 Wir folgen dem ausgeschilderten Fußweg und treffen schon nach wenigen Minuten auf eine Gabelung. Links versperrt ein Gatter den Weg, zusätzlich weist ein Schild auf Privatgelände hin, das nicht betreten werden darf. Wir setzen unsere Wanderung auf der rechten Abzweigung fort, die mit dem Schriftzug ›L ’Ofre‹ und einem gelben Pfeil markiert ist. Allmählich kommen wir nun in die Schlucht Torrent Es Barranc, in die sich im Laufe von Jahrmillionen der gleichnamige Bach eingegraben hat. Über eine kleine Brücke gelangen wir an das andere Ufer, wo der Pilgerpfad in endlose Treppenstufen übergeht. Die faszinierende Felslandschaft läßt den mühevollen Anstiegrasch vergessen.

Es ist nun müßig, alle Brücken und Abzweigungen aufzuzählen, da am Verlauf des Treppenpfades keine Zweifel aufkommen. Eine Wasserleitung verläuft zeitweise entlang des Pfades, und die in Abständen angebrachten Wasserhähne bieten dem Wanderer die Möglichkeit, seinen Durst zu löschen. Erfreulich ist auch, daß der Pilgerpfad vor einigen Jahren restauriert wurde. Dennoch –bei feuchter Witterung sollte man aufpassen! Die Stufen sind meist mitrundgeschliffenen Kieselsteinen gepflastert, auf denen Rutschgefahr besteht.
Nachdem wir mehrere kleinere, verlassene Fincas passiert haben, gelangen wir zu einem der wenigen, zumindest noch an Wochenenden bewohnten Häuser des Weilers Es Barranc (1. 30 Std.). Hinter der Finca zweigen wir nicht links zu einem weiteren Haus ab, sondern gehen geradeaus praktisch höhenparallel weiter, wo wir 2 Min. später das nächste bewohnte Bauernhaus passieren. Nicht weit dahinter beschreibt der Pflasterweg eine scharfe Linkskurve, in deren Scheitelpunkt rechts einkurzer Abstecher in den Talgrundmöglich ist. Dort trifft man auf Reste einer Köhlerstätte und eines Kalkofens und steht plötzlich in einem engen, von steilen Felswänden gesäumten Talkessel. Über eine Steinstufe fällt ein hoher Wasserfall hinab, dessen Wasser vollständig im Boden versickert.


In der Schlucht Es Barranc

Dann geht es zurück zum Hauptweg und auf diesem steil aufwärts

Schließlich läßt die Steigung merklich nach. Wir treffen auf ein Tor (2 Std.), an dem zu lesen steht:›L ’Ofre, propiedad privado, prohibido acampar, peligro toros. ‹Dies heißt soviel wie ›Privatbesitz, Zelten verboten, Vorsicht: Stiere.‹

Das Tor läßt sich öffnen, dahinter endet die restaurierte Wegstrecke. Die Pflasterdecke ist nun nur noch teilweiseerhalten. Unterwegs lohnt jetzt eine kurze Pause, um den schönen Ausblick auf das Tal von Sóller zu genießen. Die Route führt am Hang eines flachen, mit Dißgras bestandenen Bergtales entlang. Schon zu Beginn dieses Tals zweigt linker Hand ein in schlechtem Zustand befindlicher, alter Pflasterweg schräg aufwärts ab, den wir nicht beachten. Vielmehr laufen wir geradeaus auf dem nur schwach ansteigenden Wegweiter. Kurz darauf kommen wir aneinen Wegweiser, dem wir nach rechts Richtung ›Mirador de ’n Quesada ‹und ›Es Cornadors‹ folgen, auf einer schmalen Holzbrücke über den Bach hinweg. Ein gut erkennbarer Trampelpfad führt uns am gegenüberliegenden Tal hang in Windungen aufwärts. Wenig später verbreit er sich der Weg vorübergehend. Rückblickend ist hier die Finca de l ’Ofre auszumachen, die einsam in einem Hochtal liegt und nicht zugänglich ist.

Von nun an markieren rote Pfeile und Punkte sowie Steinmännchen die Route. Zwei schmalere Pfade, die nach links abzweigen, bleiben unbeachtet. Wir gelangen an einen Sattel(2. 30 Std.), wo ein in einen Stein geritzter Pfeil in Gegenrichtung zeigt. Hier zweigt rechts ein Pfad ab. Wir ignorieren ihn und halten uns links aufwärts. Vorübergehend dienen nun zwei auffällige spitze Felsen etwa150 m vor uns als Orientierungspunkte. Sind diese passiert, gelangen wir in steilen Serpentinen aufeine Paßhöhe (3 Std.). Hier zweigt rechts ein Pfad zu einer steinernen Schutzhütte ab. An dieser gehen wir rechts vorbei und erklimmen einen Gipfel, auf dem sich eine große Steinpyramide erhebt. Rechts davon führein durch Steinmännchen markierter Pfad weiter. Es geht noch ca. 50 m durch felsiges Gelände sanft abwärts, dann ist der Mirador de l ’Ofre erreicht (3. 15 Std.). Der kleine, gemauerte Aussichtsbalkon schwebt in957 m Höhe über dem Tal von Sóller. Dort bietet sich ein imposanter Panoramablick von den Antennenmasten auf der Serra d ’Alfàbia zur Linken bis hin zu den Radarkuppeln auf dem Puig Major (1443 m), Mallorcas höchster Erhebung. Anschließend kehrt man auf demselben Weg, den man gekommen ist, nach Sóller zurück (6 Std.).

 

Kommentare (1)

  1. Maike am 02.01.2017
    Wir haben diese Wanderung vor einigen Jahren an einem heißen Sommertag gemacht (und waren dabei natürlich vollkommen allein :-) und es ist bis heute eines meiner eindrücklichsten Wander-Erlebnisse. Der Felsbalkon ist wirklich ATEMBERAUBEND, man steht fast 1000 Meter über dem Tal von Sóller. Wir haben oben auf dem Felsbalkon gepicknickt und wir konnten dabei doch tatsächlich ein Paar Steinadler beobachten, die um uns ihre luftigen Runden drehten!
    Auf dem Rückweg fanden wir ca. 30 Minuten vor Binairaix rechts vom Pilgerpfad ein Felsenbecken mit kühlem Wasser, in dem man baden konnte. War das eine Erfrischung nach der anstrengenden Tour bei fast 30°C!
    Alles in allem war der Weg total idyllisch, aber zum Teil steil. Die letzten 20 Minuten vor dem Felsbalkon sind orientierungstechnisch nicht ganz leicht. Aber es lohnt sich, sich durchzubeißen - ich war kaum je stolzer und glücklicher in meinem Leben, als wir den Felsbalkon endlich gefunden hatten und sich dieser fantastische Ausblick vor uns ausbreitete!

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