Rund um den Puig Roig

Vom Wallfahrtsort Lluc geht es durch das liebliche Mossa Tal hinauf zur Paßhöhe Coll dels Ases und weiter auf eindrucksvoller Wegstrecke ohne weitere Steigungen entlang der Steilküste hoch oberhalb des Meeres.

Die Wanderung in Kürze
Anspruch: +++
Gehzeit 7 Std.
An-/Abstieg:
Länge: 23 km
Charakter: Anspruchsvolle Wanderung auf steinigem, streckenweise rechtschmalem Pfad, Schwindelfreiheit erforderlich; teils breite, steinige oder asphaltierte Fahrwege; keine nennenswerten Höhenunterschiede
Ausrüstung:
Wanderkarte: Topographische Karten 1:50000, Blätter Pollensa (Pollença)und Inca
Einkehr- Möglichkeiten: Siehe Wanderführer
Anfahrt:

Mit dem Pkw:
Von Palma auf der PM27 nach Inca, dann auf der 223 über Selva nach Lluc; große Parkplätze außerhalb der Klosteranlage.


 Mit dem Bus:
Von Palma über Inca nach Lluc (1 –2 x tägl.).

Hinweis:

Die Finca Mossa befindet sich in Privatbesitz; Durchgang z. Z. nur So 8 –15 Uhr. Man sollte daher unbedingt die beschriebene Richtung einhalten oder sehr früh aufbrechen!

Höhenprofil:
(bitte auf das Bild klicken für Großansicht)
Karte:

Karte (bitte klicken)

 

Wanderung zum roten Gipfel Mallorcas

In Lluc halten wir uns zunächst vom Eingangstor aus auf der Zufahrtsstraße zurück Richtung Hauptstraße Inca – Pollença und sehen dann nach ca. 400 m auf der linken Seite den Sportplatz des zum Kloster gehörenden Internats. Durch eine Steinpforte direkt davor gelangen wir zunächst auf einen breiten Wirtschaftsweg und gleich darauf rechts durch eine Eisenpforte auf den Sportplatz, den wir überqueren, um hinten links einen Durchlaß zu finden. Weiter geht es über eine hölzerne Brücke in den Wald.

Rote Punkte helfen bei der Orientierung. Nach etwa 20 Min. stoßen wir auf einen alten Pilgerweg, wo uns ein Pfeil rechts Richtung Minut weist. Nach etwa 30 Min. erreichen wir die Landstraße 710 nach Pollença, der wir links, also in nördlicher Richtung, folgen.
Nach insgesamt etwa 50 Min. Gehzeit erblicken wir beim Kilometerstein 15, 3 auf der linken Straßenseite die Einfahrt zum Gelände der Finca Mossa. Nach Betreten des Finca Geländes folgen wir der Zubringerpiste. Links sehen wir schon die rotfarbenen Südhänge des langgestreckten Puig Roig. Wir durchqueren nun das Tal des Torrent de Mossa mit seinen ausgedehnten Olivenplantagen und erblicken erst relativ spät die Finca Mossa auf einem vor geschobenen Plateau. Kurz vor der Finca sind die alten, sauber aufgeschichteten Trockensteinmauern mit ihrer üppigen Flora beachtenswert. Auf den Steinen gedeihen Agaven, Aloën, Fetthennen und Streifenfarn.

Dann stehen wir auf dem großen Platz vor dem stattlichen Hofgebäude der Finca Mossa (1. 15 Std.). Wie das vielstimmige Hundegebell schon ahnen läßt, ist die Finca einer der wenigen noch bewohnten Berghöfe Mallorcas. Wir umgehen nun die linke Seite des Gebäudes und passieren ein Tor, das wir hinter uns wieder schließen. Hinter den Hundehütten befindet sich ein weiteres Tor, das ebenfalls wieder geschlossen werden muß. Ca. 15 m dahinter gilt es aufzupassen! Hier darf man nicht den breiten, geradeaus führenden Weg wählen und auch nicht denjenigen, der nach rechts unten abzweigt. Statt dessen steigt man halbrechts, wo eine kleine Steinpyramide den Weg weist, etwas aufwärts, über felsiges Gelände hinweg, und findet dort einen sehr schmalen, etwas versteckten, rot markierten Schotterpfad. Dieser windet sich allmählich entlang der steilen Westflanke des Puig Caragoler empor. An einigen Stellen ist der Weg so schmal, daß Schwindelgefühl auftreten kann!


Nach 1. 45 Std. ist die Passhöhe des Coll dels Ases (627 m) erreicht. Hier lohnt es, für einen kurzen Rundblick zu verweilen. Der Wald ist inzwischen einer Garrigue Vegetationmit Busch und Igelpolstergewächsen gewichen. Jenseits des Passes wechselt unser schmaler Pfad auf die linke Talseite, entlang am Nordosthang des Puig Roig. Von nun ansind kaum noch Steigungen zu bewältigen, nur Schotter und Geröll erschweren für die nächsten 3 Std. das Wandern.


 Bald passieren wir eine Viehtränke und verweilen dort einen kurzen Moment, um unseren Blick über die herbe Berglandschaft schweifen zulassen. Vielleicht haben wir das Glück, einen der seltenen Mönchsgeier am Himmel kreisen zu sehen. Einmal pro Woche werden sie hiervon Angestellten der SECONA mit Ziegenkadavern angefüttert, um das Überleben der selten gewordenen Vogelart zu sichern. Je nach Jahreszeit kann man hier auch Eleonorenfalken, Kolkraben, Alpensegler, Felsenschwalben und Bergspatzen beobachten.

Allmählich nähert sich unser schmaler Wanderweg –der übrigens von der SECONA ständig ausgebessert wird –dem Pas d´en Segarra (2. 15 Std.). Nach einem scharfen Linksknick liegt das Meer jetzt rechts von uns. Nun dauert es nicht mehrlange, bis wir ein eindrucksvolles Küstenpanorama vor uns haben: Im Vordergrund erblicken wir die schluchtartige Cala Codolar, hinter der sich die schmale Felshalbinsel des Morro d ’en Bordils mit den Resten des Wachturms von Lluc ins Meer hinausschiebt.

Hinter einer weiteren Bucht folgt das mächtige Felskap des Morro de sa Vaca, die östliche Begrenzung der Cala de sa Calobra. Bei klarem Wetter lassen sich zwei weitere Wachtürme in westlicher Richtung erspähen: die Talaia auf dem 459 m hohen Mola de Tuent und den Torre Seca am Cap Cala Rotja. Je weiter wir die mächtige Nordwand des Puig Roig in westlicher Richtung umrunden, um so freier wird auch der Blick zum Puig Major mit seinen Radarkuppeln.
Dichtes Dißgras und Geröllfelderlassen an manchen Stellen den weiteren Wegverlauf schwer erkennen, der aber hin und wieder mit Farbflecken markiert ist. Dann folgt eine etwas problematische Stelle, wo über einen stark abschüssigen Felsabhang 2 –3 m hinab abgestiegen werden muß. Am Wegrand sehen wir nun die merkwürdig aussehenden, durch Viehverbiß geformten Polster des Ölbaum Kreuzdorns.


Hofgebäude der Finca Cosconar

Allmählich nähern wir uns der Westwand des 843 m hohen Roca Rotja,

eines Nebengipfels des Puig Roig. Zur Rechten begleitet uns jetzt ein schmales Tal. Einen rechts abzweigenden Pfad durch die verfallene Tancamauer (3. 30 Std.) lassen wir außer acht. Wir passieren einige riesige, einzeln stehende Aleppokiefern. Nun erblicken wir tief unten im Tal die Ruine des Quarter dels Carabiners, eine ehemalige Kaserne der Zollpolizei. Um dorthin zu gelangen, folgen wir einem weiteren, kurz darauf entlang einer Tancamauer rechtsabzweigenden Pfad, der durch das Tal direkt auf die ehemalige Kaserne hinführt. Nach etwa 4 Std. Gehzeit ist das auf einem Plateau gelegene Quarter dels Carabiners erreicht. Ein früher dort stationiertes Bataillonder Guardia Civil sollte den blühenden Schmuggel im unzugänglichen Küstenbereich unterbinden –ganz offensichtlich ohne Erfolg. Allzu oft steckten die schlecht besoldeten Carabiners mit den Schmugglern unter einer Decke, und die allmähliche Liberalisierung des Handels machte die Kaserne überflüssig. In den 1960er Jahren wurde sie aufgegeben und verfällt langsam. Ein Rundgang ist zwar recht interessant, bringt aber Gefahren durch Einbrüche der unterirdischen Zisterne und abbröckelnde Ruinenmauern mit sich.

Auf einer Schotterpiste steigen wir nun hangaufwärts in östlicher Richtung. Links des Weges künden mächtige, einzeln stehende Aleppokiefern die Nähe der überdachten Quelle Font des Polls an. Bald darauf blicken wir hinter einer scharfen Biegung rechts auf den sogenannten ›Entreforc‹, wo das Tal von Lluc in die Schlucht des Torrent de Pareis mündet.
Nach ca. 4. 30 Std. nähern wir uns den Hofgebäuden Finca Cosconar, die sich unter einen überhängenden Fels der steilen Südflanke des Roca Rotja schmiegen. Hier genießen wir während einer kurzen Rast die Bergromantik besonders im Frühling, wenn gelbblühende Wolfsmilchbüsche den Weg säumen. Nun führt ein asphaltierter Fahrweg in Serpentinen hinab ins Tal von Lluc. An den Hängen wachsen vereinzelte Aleppokiefern, ansonsten herrscht Macchien Landschaft vor, die aber allmählich Olivenplantagen weicht. Nach Erreichen eines schattigen Steineichenwaldes stoßen wir links auf eine Toreinfahrt mit dem Hinweisschild ›Sa plana‹. Wir setzen aber unsere Wanderung weiter geradeaus fort und erreichen nach knapp 1 km die Hofgebäude von Son Lloberra (6 Std.)und gleich dahinter das prächtige Landgut Can Pontico.

Etwa 1 km weiter beschreibt der Fahrweg eine scharfe Rechtskurve. Hier überschreiten wir das Bachbett des Torrent de Lluc . Auf der gegenüberliegenden Talseite windet sich die Straße empor, an dem alten Landgut Aubarca mit seinem weithin sichtbaren Turm vorbei. Dann überquert die schmale Landstraße eine Bogenbrücke und stößt auf eine weitere Straße, der wir nun nach links folgen, um wieder Lluc zu erreichen (7 Std.).

Am Wanderweg

Rote Sandsteine, die an den Südhängen des Puig Roig zutage treten, gaben dem Berg seinen Namen (katal. roig =rot). Sie wurden im Buntsandstein abgelagert, dem ältesten Zeitabschnitt der Trias (vor ca. 225Mio. Jahren). Als es im Tertiär vor ca. 15 Mio. Jahren zur Auffaltung der Serra Tramuntana kam, wurden auch die Sedimente des Buntsandsteins, der ältesten Gesteine Mallorcas, gehoben und in die Gebirgsbildung einbezogen.

Der Mönchs- oder Kuttengeier ist von Natur aus im gesamten Mittelmeerraum zu Hause. Heute ist er allerdings überall stark bedroht. Nach Angaben des GOB (Vogel- und Naturschutzbund der Balearen) gibt es auf Mallorca noch ca. 50 Exemplare. Wegen seines düsteren, rußbraunen Gefieders wird der Mönchsgeier von den Einheimischen Voltor negre(schwarzer Geier)genannt. Mit bis zu2, 70 m Flügelspannweite ist er der auffälligste Vogel Mallorcas. Aufgrund seiner Größe ist er leicht von dem kleineren Fischadler zu unterscheiden. Der Mönchsgeier bevorzugt Berge und Hochebenen und nistet vorwiegend in hohen Bäumen, seltener auch in Felsnischen. Er ernährt sich ausschließlich von Aas, das auf Mallorca selten geworden ist, seit die Ziegen und Schafhaltung in den Bergen während der letzten Jahre stark zurückgegangen ist. Um die Art zu retten, hat die Umweltschutzbehörde SECONA am Nordhang des Puig Roig einen Futterplatz eingerichtet. Außerdem wurden Geier aus anderen Gebieten eingeführt, wo sie noch nicht so selten geworden sind. So hat sich der Bestand an Mönchsgeiern auf Mallorca in den letzten Jahren wieder deutlich erholt.

 

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