Vom Coll de sa Batalla auf den Puig Massanella

Aufstieg zum Doppelgipfel

Wichtigstes Ziel für Gipfelstürmer ist der Puig Massanella, mit1352 m Mallorcas zweithöchster Berg. Für den anstrengenden Aufstieg wird man mit herrlichen Rundblicken und einer noch fast unberührten Naturlandschaft belohnt.

 

Die Wanderung in Kürze

Anspruch:

+++

Gehzeit

5 Std.

An-/Abstieg:

750 m

Charakter:

Anspruchsvolle Wanderung zunächst auf einem Fahrweg, später auf Bergpfaden; Aufstieg in der Gipfelregion führt übersteile Hänge mit viel Geröll.

Wanderkarte:

Topographische Karte 1:50 000, Blatt Inca

Einkehr-
möglichkeiten: 

Restaurants Sa Bataia am Coll de sa Batalla

Anfahrt:

Mit dem PKW:
Von Palma auf der PM27 nach Inca und weiter auf der 223 Richtung Selva/Lluc. Am Coll de sa Batalla, 12km hinter Selva kurz vor der Einmündung in die 710, trifft man auf eine Tankstelle. Gegenüber liegt ein Privatparkplatz für Gäste des Restaurants Sa Bataia. Besser parkt man an der anderen Straßenseite auf dem Seitenstreifen.
Mit dem Bus:
Von Palma über Inca nach Lluc(1 –2 x tägl.). Dem Fahrerrechtzeitig sagen, daß man ca. 3 km vor Lluc an der Tankstelle (Gasolinera) aussteigen möchte!

Hinweis:

Für den Aufstieg zum Massanella wird von einem Wachposten auf dem unteren Wegstück eine Gebühr kassiert (500 Ptas/Person).

Höhenprofil:


(bitte auf das Bild klicken für Großansicht)

Karte:

Karte (bitte klicken)

 

Von der Tankstelle am Coll de sa Batalla laufen wir etwa 200 m bergab Richtung Inca, überqueren dabei eine Bogenbrücke und treffen gleich darauf hinter einer Linkskurve auf ein grün gestrichenes Tor an der rechten Straßenseite. Links daneben ist eine Steintafel angebracht, auf der –allerdings schwer zu entziffern – der Puig Massanella ausgeschildert ist. Wir passieren einen Durchlaß rechts neben dem Tor und folgen dahinter einem Fahrweg durch schattigen Wald allmählich aufwärts. Schon bald sehen wir rechts einen mit Steinen eingefaßten Brunnen. Kurz darauf biegt unser Wanderweg in einer Spitzkehre scharf rechts ab. (Geradeaus geht es zur Finca Es Guix, die vom Weg aus nichtsichtbar ist.)In mehreren Kehrenlaufen wir nun weiter sanft aufwärts. Eine Holzleiter über ein eisernes Gatter ist zu überwinden; hier wird die Mautgebühr (s. o.)kassiert. Balderreichen wir eine Gabelung, wo wir auf dem besseren, rechten Weg bleiben.


Nach ca. 20 Min. treffen wir auf das Eingangstor Finca Comafreda. Einige Minuten später erblicken wir die Terrassenfelder der Finca und bald darauf auch die idyllisch gelegenen Hofgebäude selbst. Dahinter erhebt sich im Norden die mächtige Felswand des 840 m hohen Sa Moleta, eines östlichen Ausläufers des Massanella Bergmassivs. Mandel und Olivenbaumplantagen begleiten unseren Weg. Vor einem Steintor ohne Gatter sehen wir links eine Lücke in der den Wegrand säumenden Trockenmauer. Dort folgen wir einem roten (grau überpinselten) Pfeil aufwärts. Der steinige Pfad passiert die Ruinen einer weiteren Mauer mitzerbrochenem Tor.
Unmittelbar dahinter geht es steil rechts hinauf. Kleine Steinpyramiden lassen keine Zweifel über den Wegverlauf aufkommen. Ein Hochwald sorgt für angenehmen Schatten. Etwa 10 Min. später treffen wir wieder auf den Hauptweg, dessen durch das Hofgelände der Finca Comafreda führende Kehre wir abgekürzt haben. Wir folgen ihm nach links. Wenig später taucht rechts das runde Fundament eines früheren Meilers (sitja )auf. Eine hier von rechts oben kommende Piste ignorieren wir und wandern geradeaus weiter.
Danach passieren wir noch dreiweitere Sitjes und Reste eines Kalkofens. Nun dauert es nicht mehr lange, bis der Coll de sa Linea (832 m)erreicht ist (1 Std.). Auf einer Waldlichtung stehen dort zwei Steinpfosten mit Wegweisern. Wir gehen rechts, der Beschilderung ›Puig ‹folgend. Über einen schmalen Schotterpfad mit Steinstufen beginnt nun ein steilerer Anstieg. Je höher wir gelangen, desto schöner sind die Ausblicke durch den immer lichterwerdenden Wald. Im Osten erblicken wir die weitgeschwungenen Buchten von Pollença und Alcúdia mit den Sumpfebenen der Albufera. Vor uns erhebt sich der Felsgipfel des Puig n ’Alis, und im Südwesten reicht der Blick bis zur Bucht von Palma. Steinpyramiden begleiten unseren Pfad.


Dann ist Avenc des Camí (Weghöhle)erreicht (1. 30 Std.). Diesen seltsamen Namen trägt die Stelle wegen der kleinen, aber tiefen Grube, die sich rechts des Weges befindet. Sie ist mit einer Felsplatteabgedeckt, um zu verhindern, daß Wanderer hineinstürzen. Es handelt sich um den Überrest eines früheren Schneehauses. Wenige Schritte weiter befindet sich eine Gabelung. Eindreikantiger Stein weist auf die bei den Aufstiegsmöglichkeiten ›Font iPuig ‹ bzw. . ›Puig i Font‹ hin.


Wir folgen vorsichtshalber dem Pfad nach links zur Font de s ’Avenc, weil auf dieser Route der Aufstiegübersichtlicher ist und im Zweifelsfall auf demselben Weg der Abstiegerfolgen kann. Wir laufen nun über Geröllfelder und zerklüftete Felspartien. Hier müssen wir verstärkt auf Steinpyramiden achten, um den richtigen Wegverlauf zu erkennen. Der Weg wird von der Naturschutzbehörde SECONA unterhalten, die teilweise sogar kleine Zementstufenangelegt hat. Dennoch entwickelt sich die Tour immer mehr zu einer Kletterpartie. Bei Wolkennebel kann der weitere Aufstieg gefährlich sein, daher sollte man in diesem Fall hier umkehren! Scheint dagegen die Sonne, so fehlt es bis zum Gipfel an jeglichem Schatten, denn längst ist der Wald ganz zurückgewichen.

 


Erodiertes Gestein im Massanella Gebirge

 

Unser nächstes Etappenziel ist die Font de s´Avenc (2 Std.). Die in einerkleinen Höhle versteckte Quelle sprudelt fast ganzjährig. Auf dem kleinen Vorplatz können wir rasten und uns an dem schönen Rundblickerfreuen. Ein paar feuchte, rutschige Treppenstufen führen in die düstere Höhle hinunter. Auf der rechten Seite des Vorplatzes ist in einem Stein der Schriftzug ›Font de s ’Avenc‹ zuerkennen. Dort findet man auch den Hinweis ›Puig‹ mit einem nach linksweisenden Pfeil. Unmittelbar links neben dem Höhleneingang geht es über einen schmalen Pfad weitersteil aufwärts. Immer mehr verliert sich die Spur in ausgedehnten Geröllfeldern, und so muß sehr auf Steinpyramiden geachtet werden.


Streckenweise wird die Kletterei nun strapaziös. Wir sehen aber schon den Bergsattel zwischen den beiden Gipfeln des Puig Massanella dicht vor uns. Er bietet eine gute Orientierungshilfe. Erneut treffen wir auf einen dreieckigen Markierungsstein mit dem Hinweis ›Puig ‹. Hier kommt von rechts ein Pfad über die Hochebene Pla de sa Neu herüber, den wir uns für den Rückweg merken. Eine Felsnadel in der Nähe hilft dabei, den Dreikantstein zu finden.


Von dem Markierungsstein aussteigen wir geradeaus steil aufwärts. Über einen Sattel streben wir auf den rechten, etwas höheren Hauptgipfel des Massanella (1352m)zu. Oft erschweren starke Höhenwinde das Weiterkommen, und plötzliche Wolkennebel können die Sicht verdecken. Am Gipfel des Puig de Massanella angekommen (2. 45Std.), bietet sich bei klarer Sicht einfaszinierender Rundblick über die ganze Insel. An manchen Tagen kann man sogar die Nachbarinsel Menorca im fernen Dunst erkennen. Achtung: Gleich unterhalb des Gipfels gähnt die Öffnung eines fast 20 m tiefen ehemaligen Schneehauses!
Bis zur Erfindung des Kühlschranks wurde hier wie in den anderen Gipfelregionen Mallorcas im Winter Schnee gesammelt und zu Eis verarbeitet. Sobald in den Bergen der erste Schnee gefallen war, machten sich die Bewohner der umliegenden Dörfer zu diesem Zweck mit großen Körben auf den Weg. Der Schnee wurde in den 2 –3 m tiefen, mit Steinwänden ausgekleideten Gruben auf Tüchern fest getreten und mit Dißgras abgedeckt. Nachdem die Gruben gefüllt waren, kamen Asche, Salz und Reisig darüber. Dank der wirkungsvollen Isolierung hielt sich der allmählich zu Eis verfestigte Schnee bis in die heißen Sommermonate. Das Eis wurde in große Blöcke zerlegt und nachts mit Maultieren mühevoll talabwärts transportiert. Abnehmer waren vor allem Restaurants, die Getränke und Lebensmittel damit kühlten.

Wichtig für den Abstieg ist der Blick nach Südosten auf die vorgelagerte Pla de sa Neu (Schnee Ebene). Der Verlauf des Pfades, den wir auf dem Rückweg benutzen wollen, ist dort stellenweise zu erkennen. Wir begeben uns zunächst zurück zum Bergsattel und zu dem dreieckigen Markierungsstein. Dann halten wir auf dem Geröllfeld nach links Ausschau nach Steinpyramiden, um den anfänglich kaum erkennbaren Pfad nicht zu verfehlen. Als guter Orientierungspunkt dienen zwei einsame Elben, die auf dem Plateauwachsen. Die Eibe, ein seltener Verwandter der Nadelbäume, benötigt zum Wachstum eine hohe Luftfeuchtigkeit. Auf Mallorca gedeiht sie nur in den nebelreichen Gipfelregionen.

Auf der Pla de sa Neu treffen wir auf weitere Fundamente von Schneehäusern. Gleich hinter den beiden Eiben beschreibt der Pfad einen Rechtsknick und windet sich dann über Geröllfelder in steilen Serpentinen abwärts bis zu dem dreikantigen Stein mit der Aufschrift›Font i Puig ‹(3. 45 Std.), wo sich beide Gipfelwege wieder vereinigen. Auf dem schon bekannten Weg geht es von hier zurück zum Coll de sa Batalla (5 Std.).

 

Karsterosion

Kalkgestein, aus dem sich der Gipfeldes Massanella ebenso wie ein Großteil der Serra Tramuntana aufbaut, ist wasserlöslich. So entsteht eine Fülle von Erosionsformen, die im Relief anderer Gesteine kaum zufinden sind. Man nennt diesen Vorgang Verkarstung – ein Begriff, der oft fälschlich für Versteppung verwendet wird. Tropfsteinhöhlen, von denen es einige für das Publikum erschlossene auf Mallorca gibt (Drac, Artà, Campanet u. a.), dürften die bekanntesten Karsterscheinungen sein. Doch auch bei den Karren (auch Schratten genannt), die man in den Bergen Mallorcas häufig antrifft, handelt es sich um Karstformen. Man sieht die manchmal nur Millimeter breiten, zuweilen aber bis zu einer Fußbreite messenden Furchen an geneigten, nackt daliegenden Gesteinsflächen. Das auftreffende Regenwasser schafft diese Rinnen durch seine Lösungswirkung. Zwischen den Furchen bleiben Gesteinsrippen stehen, die oft rechtscharfkantig sein können. Im Verlauf von Jahrhunderten und Jahrtausenden werden die Rinnen immer tiefer, da das Regenwasser nun schonnatürliche Bahnen vorfindet, in denen es das Gestein weiter auflöst, während die Rippen von diesem Vorgang verschont bleiben.

 

Text und Fotos © DuMont Reiseverlag GmbH & Co. KG

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